Interview mit Antidiskriminierungsbeauftragten Hakan Caliskan – Folge 16

Shownotes

Im Interview spricht Frank „Zepp“ Oberpichler mit Hakan Caliskan, dem Antidiskriminierungsbeauftragten der Stadt Mülheim an der Ruhr. Thema ist Hakans Patenschaft für die Astrid-Lindgren-Schule und das Projekt „Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage“.

Für das Thema Diskriminierung ansprechbar sein

Hakan Caliskan nennt zwei Motive für sein Engagement: seinen beruflichen Auftrag, für das Thema Diskriminierung ansprechbar zu sein und zu unterstützen, und seine eigene Schulzeit, in der solche Ansprechpersonen aus seiner Sicht fehlten. Er betont, dass er es wichtig findet, wenn Schülerinnen und Schüler beteiligt werden und mitwirken können.

Kontaktdaten von Hakan

Er erklärt, dass sich Betroffene von Diskriminierung direkt an ihn wenden können. Seine Kontaktdaten seien öffentlich zugänglich, zum Beispiel über die Antidiskriminierungsstelle Mülheim oder die Stadtseite: https://cms.muelheim-ruhr.de/leben-in-muelheim/gesellschaft-und-soziales/buero-fuer-chancengleichheit/antidiskriminierungsstelle . Er ist telefonisch (0208 455 1545) und per E-Mail erreichbar: Hakan.Caliskan@muelheim-ruhr.de

Zuhören, analysieren, Lösung anbieten

Für die Bearbeitung eines Falls fragt Hakan zuerst, was genau passiert ist und ob es sich um Diskriminierung im engeren Sinn handelt. Danach prüft er, wer in der Situation Verantwortung trägt und wie eine Lösung aussehen kann. Dabei unterstützt er Schule und Betroffene mit Einordnung, Aufklärung und Vorschlägen für das weitere Vorgehen.

Hierarchisches System

Als typische Probleme nennt er das Gefühl von Schülerinnen und Schülern, nicht gehört oder nicht ausreichend beteiligt zu werden. Schule sei für junge Menschen ein stark hierarchisches System, in dem Erwachsene viele Regeln bestimmen. Auch unreflektierte Benachteiligungen im Schulalltag, etwa bei Noten oder im Umgang mit Namen, seien ein Thema.

Neutrale dritte Instanz

Hakan beschreibt seine Rolle als neutrale dritte Instanz, die zwischen den Beteiligten vermittelt. Ziel sei ein schonender Ausgleich, damit die Situation vor Ort verbessert wird. Er berichtet, dass auch Eltern sich an ihn wenden und dass es bereits gelungen sei, Perspektiven ernst zu nehmen und Fälle an die Schule heranzutragen.

Die „nächsten Demokraten“

Zur Patenschaft sagt er, dass er sich Beiträge für die „nächsten Demokraten“ erhofft und sein Wissen weitergeben möchte. Er sieht darin einen Prozess, bei dem jüngere Menschen Verantwortung übernehmen können.

Transkript anzeigen

00:00:10: Kinder, eine Stimme geben.

00:00:12: Der Podcast der Astrid Lindgren-Schule im Mühlheim an der Ruhr!

00:00:18: Ich bin immer noch in der Astrit Lindgren Grundschule in Mühlheimer an der Ruhr.

00:00:24: Dieses Format hier ist der Podcast Kindern Eine Stimme Geben.

00:00:28: Mein Name ist immer noch Frank Zeboberpichler und ich unterhalte mich jetzt mit

00:00:31: Hakan Chauchkan, Anti-Diskriminierungsbeauftragter der Stadt.

00:00:36: Hakan du bist Pate geworden?

00:00:38: Für die Astrid Lindgren-Schule beziehungsweise für das Projekt Schule ohne Rassismus, Schule mit Courage?

00:00:43: Warum oder welche Motivation hast du

00:00:46: diesbezüglich?".

00:00:47: Ich habe zwei Arten von Motivations.

00:00:49: Eines ist ja natürlich beruflich es ist ja mein Job für die Stadt da zu sein rund um dieses Thema ansprechbar zu sein und zu unterstützen.

00:00:56: Das andere ist ich muss auch sagen Als ich selber noch Schüler war, gab es Dinge so gefühlt gar nicht.

00:01:02: Und ich muss sagen ist total cool mit anzuschauen wie Schüler und Schülerin involviert werden, wie sie mitmachen können.

00:01:08: Ich möchte das einfach unterstützen!

00:01:09: Und ich habe glücklicherweise einen Job der mir das ermöglicht... ...und deswegen bin ich da wirklich dahinterher.

00:01:16: Welche Möglichkeiten haben denn jetzt Kinder die beleidigt oder diskriminiert werden sich zu wehren?

00:01:24: Kann man dich einfach so erreichen?

00:01:26: Man kann mich einfach so erreichen.

00:01:28: Es kann tatsächlich jeder, der das Gefühl hat, diskriminiert worden zu sein und verbehandelt werden zu sein, Redebedarf dafür hat und sich wünscht mit jemanden darüber reden zu können.

00:01:37: Der kann mich kontaktieren.

00:01:39: Meine Daten sind öffentlich zugänglich.

00:01:41: Das heißt man kann Antidiskriminierungsstelle in Mühlheim zum Beispiel googeln.

00:01:44: Da wird man bei mir ganz schnell landen.

00:01:46: Man kann auf die Stadtseite gehen da kann man auch dann mich suchen oder auf einer kleinen Unterseite befinden.

00:01:53: So ist sozusagen dann der Weg, also über Telefon oder E-Mail.

00:01:57: Und wenn jetzt eine Schülerin sich bei dir meldet und sagt Mensch mir ist das so und das passiert welche Möglichkeiten hast du denn überhaupt damit zu arbeiten, zu agieren vielleicht Probleme zu lösen?

00:02:11: Also die erste Frage ist immer, ist das eine Diskriminierung im engeren Sinne?

00:02:14: Nicht jeder streitet seine Diskriminierungen.

00:02:16: Das heißt es geht immer um die Frage was denn hier genau passiert weil Diskriminierungs in Deutschland grundsätzlich sagen wir immer verboten.

00:02:23: Das heisst also wenn das passiert ist und nichts sozusagen passiert um das zu lösen heißt dass irgendjemand hat den Job ein bisschen vernachlässigt von den Erwachsene meistens.

00:02:33: Und dann geht es wirklich darum zu schauen, wer hat jetzt hier sozusagen eine Aufgabe?

00:02:38: Wer muss nachrudern und nachliefern.

00:02:42: Die Erwachsenen sind ja auch bemüht aber sagen wir mal selbst wenn sie bemühen fehlt ihnen vielleicht in dem Moment so ein bisschen die Sicht oder die inhaltliche Perspektive und da unterstütze ich halt dass sich wirklich auch Versuche aufzuklären.

00:02:54: hey was ist hier vorgefallen?

00:02:55: aber warum ist das eine Diskriminierung aus der Sicht des Betroffenen?

00:03:02: Wie kann man jetzt eingreifen, wie kann man etwas lösen?

00:03:07: Die Beschwerde der Betroffenen ernst nehmen.

00:03:10: Und was sind vielleicht schulische Möglichkeiten einzugreifen die man dann gemeinsam entwickelt?

00:03:15: Weil eine Schule hat vielleicht den Willen aber nicht die Idee und da greife ich mit meiner Stelle weil es genau mein Job ist diese Ideen zu entwickeln und gemeinsam auch durchzuführen.

00:03:27: tatsächlich

00:03:29: Mit welchen Problem wenden sich denn Schülerinnen und Schüler an dich?

00:03:33: Also in der Schule ist es wirklich oft so, dass die Schülerschaft sagen, dass sie sich nicht ganz gesehen fühlen.

00:03:40: Nichts so ganz gut mitmachen oder mitbestimmen können.

00:03:43: Man muss sagen für den jungen Menschen ist ja Schule ein sehr hierarchisches System.

00:03:48: Es ist so das im Grunde um alle Regeln Zustände in der Schule von Erwachsenen vorgegeben sind.

00:03:54: Aus ihrer Sicht ist das häufig so und dann fragen die sich, warum ist das überhaupt so?

00:03:59: Und oft ist es auch so dass Lehrpersonal natürlich im Klassenraum zum Beispiel eine Machtposition hat.

00:04:05: Es geht also auch darum... Die Erwachsene, Lehrer-Lehrer dürfen Dinge bestimmen!

00:04:10: Das fühlt sich nicht immer gut an.

00:04:12: Dann geht's mal um die Frage Können wir uns dagegen wehren?

00:04:17: Ist etwas vorgefallen?

00:04:18: Eine Lehrkraft hat irgendwas gesagt was mir nicht schmeckt und ich muss das runter schlucken.

00:04:22: Ist das wirklich so?

00:04:23: Kann ich mit jemand anderem mal drüber reden?

00:04:25: Und genau um diese Dinge geht's, weil es muss nicht so sein... Als Erwachsene in der Schule trotzdem verantwortungsvoll mit dieser Rolle umgehen, auch reflektiert mit dieser Runde umgehen und überall da helfe ich.

00:04:36: Ich mache hier auch Schulungen.

00:04:38: zum Beispiel für eben auch dieses Lehrpersonal also alle Erwachsenen im Schulsystem biete ich ja auch Dinge an um genau solche Fragen zu besprechen und auch so diese unterbewussten Bilder nochmal hervorzuholen.

00:04:52: weil all das prägt ja auch einen im Beruf.

00:04:54: wenn jetzt eine Lehrkraft vielleicht ans Unterbewusst Aus irgendeinem Grund vielleicht eine schlechtere Note bei jemanden gibt mit einem irgendwie fremdklingenden Namen.

00:05:04: Und das gar nicht merkt, was passieren kann ist meine Stelle genau dafür da zu zeigen hey warum ist diese Note eigentlich anders bei gleicher Leistung zum Beispiel?

00:05:14: Wenn das vergleichbar ist können wir ja jetzt nicht beurteilen

00:05:17: aber... Genau.

00:05:19: Dann kommt dann ein Jugendlicher, der dieses Gefühl aber hat.

00:05:22: Der sagt so ich habe irgendwie eigentlich dieselben Leistungen, aber ich hab das Gefühl, ich komme hier chancenmäßig weniger voran und das wäre genau so einen Fall zu fragen ist es wirklich so?

00:05:34: Kann man das wirklich merken und woran?

00:05:37: Und sagen wir mal ja also sagen wir Mal Es ist wirklich so gewesen.

00:05:40: auch dass hat ja Gründe.

00:05:41: warum passiert das?

00:05:42: Warum hat eine Lehrkraft vielleicht so gehabt?

00:05:44: und

00:05:44: dann dann würdest du Ich sag mal, vermittelnd zur Seite stehen oder moderierend zur Seite.

00:05:49: Wie muss ich mir das vorstellen?

00:05:50: Also wenn er jetzt in so einem Gespräch rausfindet okay da ist eine Benachteiligung gewesen wie muss man dann den weiteren Verlauf vorstellen?

00:06:09: Und mein Interesse ist es, einen schonenden Ausgleich zu finden so dass sich die Verhältnisse vor Ort bessern.

00:06:17: Es geht ja eigentlich um beide.

00:06:18: Also auch für die Lehrkraft ist es ja eigentlich das Interesse hoffentlich nicht, dass diese Situation sich irgendwie auflöst, sodass dann der Alltag davon nicht geprägt wird.

00:06:27: Deswegen geht's wirklich immer um die Frage hey wie können wir zusammenkommen rund um diesen Vorfall oder rund um dieses Schilderum?

00:06:34: und wie kann man es besser machen?

00:06:35: Weil wir alle hoffentlich das Interess haben, dass wir uns hier wohlfühlen!

00:06:40: Das ist nämlich nicht gegeben, wenn dieser Vorwurf im Raum bleibt.

00:06:45: Ich bin quasi eine neutrale Partei die versucht diese vermittelende Rolle einzunehmen irgendwie eine Verbesserung für beide Seiten zu finden.

00:06:54: Und das ist auch schon häufiger vorgekommen?

00:06:56: Hast du da schon einige Streitfälle schlichten können?

00:07:00: Ja, also es ist immer mal wieder so dass zum Beispiel an Eltern dann häufiger eher an mich herantreten die dann für ihre Kinder sozusagen vorsprechen weil sie in der Meinung sind was beobachtet zu haben.

00:07:11: Weil sie einen Vorfall erzählen wollen und dann haben wir schon bei dem ein oder anderen Mal auch wenn's schwierig war tatsächlich dafür gesorgt das zumindest die Perspektive wahrgenommen wurde.

00:07:22: Also oft die Betroffenen fühlen sich da ein bisschen allein gelassen Und es hilft schon, dass tatsächlich eine andere Städtische

00:07:28: z.B.,

00:07:28: Instanz sogar in dem Fall sagt hey wir sehen das auch und wir möchten mal das einfach mal an die Schule herantragen und möchten mal einfach ne Antwort mehr erstmal drauf bekommen.

00:07:38: Das alleine macht schon eine Sache ernst und seriös und behandelbar.

00:07:43: Okay Jetzt bist du ja Pate für die Astrid Lindgrenschule Für dieses Projekt Schulle ohne Rassismus-Schule mit Courage.

00:07:52: Ich sag jetzt mal in den nächsten Tagen, Wochen und Monaten hier vielleicht so was wie eine Info-Veranstaltung wo du über diese Funktionen aufklärst.

00:08:02: Ja ich arbeite in der Regel meistens nach Kompostruktur wie man so schön sagt.

00:08:06: das heißt also ich werde mir eingeladen und angefragt.

00:08:09: In dieser Funktion bin ich für die ganze Stadt erreichbar.

00:08:12: Das heißt man kann mit der Schule natürlich immer proaktiv auch Ideen spielen.

00:08:16: Also ich kann noch auf die Schule zugehen.

00:08:18: Aber das was eher passiert ist, dass die Schulen einfach mich sozusagen rekotieren.

00:08:22: Mich anrufen und mich kontaktieren und Ideen haben.

00:08:24: Und ich muss sagen hier mache ich mir da gar keine Sorgen weil die Schule echt hinterher ist mit der Kisten her, mit der ich viel im Kontakt war diesbezüglich.

00:08:32: Da kommt das sozusagen fast von alleine so, dass man das gar nicht provozieren muss.

00:08:37: Und da haben wir dann stetigen Kontakte.

00:08:41: Ja.

00:08:41: Was versprichst du dir von deiner Funktion als Pate?

00:08:46: Ja, ein Beitrag zu leisten für den Nachwuchs der nächsten Demokraten im Grunde genommen.

00:08:51: Also das klingt natürlich jetzt sehr groß aber ist

00:08:53: es ja... Aber es fängt doch unten an oder?

00:08:55: Genau.

00:08:56: also ich bin ja mit meinen jetzt thirty-six Jahren hier auch nicht mehr der allerer jüngste, auch wenn ich häufig noch relativ jung im Raum bin in dem ich mich aufhalte.

00:09:05: Es ist ja schon so, dass man sich Gedanken machen muss, hey wer trägt das jetzt weiter?

00:09:08: Wer hat dir sozusagen die neuen frischen Ideen.

00:09:10: Wer hat noch die Ahnung von der jüngeren Welt?

00:09:13: Das kommt mir immer mehr abhanden sage ich mal.

00:09:15: Egal wie sehr man sich dagegen währt.

00:09:17: Deswegen ist es mir wichtig wirklich ein Fackelauf sozusagen weiterzugeben und ich habe das Gefühl hier sind schon den nächsten paar, die das dann gerne übernehmen werden.

00:09:27: Prima!

00:09:28: Ich wünsche dir auf jeden Fall viel Erfolg.

00:09:29: alles Gute für deine Patenschaft, für das Projekt Kinder eine Stimme geben.

00:09:43: Der Podcast der Astrid Lindgren Schule in Mühlheim an der Ruhr.

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